Auffallend außergewöhnlich – der Taschentuchbaum

| Autor: Verena | Kategorie: Frühling 

Wenn Sie das Mainau-Kinderland passieren und in Richtung unseres Blumenpfaus gehen, dann sollten Sie gerade jetzt mal einen Blick nach oben werfen, denn der lohnt sich wahrlich: Hier blüht zur Zeit der Taschentuchbaum. Sein Name kommt nicht von ungefähr, denn seine weißen Blüten erinnern an wehende Taschentücher.

Jeweils ein Paar dieser weißen, bis zu 30 cm langen Blütenblätter umhüllt einen kugelförmigen, rot-violetten Blütenstand. Bei den Blütenblättern handelt es sich um sogenannte Hochblätter. Diese haben die verlockende Aufgabe als optisch attraktives Lockmittel Insekten für eine sichere Bestäubung anzuziehen. Auch bei uns Menschen funktioniert dieser raffinierte Kniff der Natur, denn wir finden, der Taschentuchbaum ist wahrlich ein Hingucker.

Der kugelige Blütenstand wird von zwei weißen Hochblättern umhüllt

Entdeckt wurde der in China heimische Taschentuchbaum 1868 von dem französischen Missionar Armand David, der auch Namensgeber der wissenschaftlichen Bezeichnung Davidia involucrata ist. Doch erst Anfang des 20. Jahrhunderts gelangten die Samen dieses beeindruckenden Zierbaumes nach Europa. Ein Botaniker namens Ernest Wilson wurde 1901 von dem bekannten botanischen Garten Royal Botanical Gardens Kew beauftragt, Samen zu besorgen. Als der junge Mann sich ohne Sprachkenntnisse durch China kämpfte, musste er enttäuscht feststellen, dass das Exemplar, das von Armand David entdeckt wurde, abgeholzt war. Glücklicherweise stöberte er noch weitere Bäume auf und schickte deren Samen nach Großbritannien. Als Inhaber einer der weltweit größten Pflanzensamenbanken, wurden die meisten Taschentuchbaumsamen über Kew Gardens verbreitet. Deshalb ist auch davon auszugehen, dass die Samen unseres Taschentuchbaums aus London stammen.

Ausladende Erscheinung am Mainau-Kinderland: der Taschentuchbaum

Standort & Pflanzung
Der Taschenbuchbaum fühlt sich an sonnigen bis halbschattigen Standorten am wohlsten. Ist ein optimaler Standort mit nährstoffreichem, leicht feuchtem Boden gefunden, empfiehlt es sich den jungen Taschentuchbaum im Herbst auszupflanzen. Dafür wird eine Pflanzloch ausgehoben, die das 1,5 fache Volumen des Wurzelballens aufweist. Die ausgehobene Erde mischen Sie dann mit Kompost und Hornspänen, während der Taschentuchbaumwurzelballen in weichem Wasser getränkt wird. Steigen keine Luftbläschen mehr auf, setzen Sie den Ballen in das Loch und bedecken den Wurzelballen mit der vermengten Aushuberde. Tipp: Setzen Sie in das Pflanzloch einen Baumpfahl ein, hier binden Sie den Baum an, nachdem dieser in die Grube gesetzt wurde.

Winterhart
Der Taschentuchbaum lernt im Laufe der Zeit winterhart zu werden. Deshalb ist es wichtig den jungen Baum von Beginn an die kalte Jahreszeit zu gewöhnen und ihn zu schützen, z.B. durch Anhäufelung der Baumscheibe mit Tannenreisig oder Herbstlaub, Umhüllen der Krone mit einem Vlies und Jutebändern für den Stamm, um diesen vor Wintersonne zu schützen. Macht man dies beständig, so kann der ausgewachsene Taschentuchbaum, der eine Höhe von bis zu 20 Metern erreicht, Frostzeiten von bis zu -15 Grad aushalten. In Weinbauregionen, wie hier bei uns am Bodensee, fällt dem Taschentuchbaum das Überwintern nicht ganz so schwer.

Blütezeit & Düngung
Nachdem der Taschentuchbaum gepflanzt ist, gilt es Geduld zu bewahren, denn seine ersten Blüten zeigen sich erst nach einigen Jahren. Wenn es soweit ist, blüht der Baum, je nach Lage, dann von April bis Juni/Juli.  

Übrigens: Der Taschentuchbaum ist auch als Taubenbaum bekannt, da aus der Entfernung betrachtet die weißen Blätter wie ein Schwarm Tauben aussehen.

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