Das Schneeglöckchen - Weißer Blütenzauber im Winter

| Autor: Markus Zeiler | Kategorie: Winter 

Wenn auf Feldern und Wiesen noch vereinzelt Schnee liegt und Temperaturen nahe 0° C dafür sorgen, dass der Boden kaum auftaut, fällt es schwer sich vorzustellen, dass in wenigen Wochen Frühlingsanfang ist. Die Sehnsucht nach den ersten bunten Blumen wächst tagtäglich ein kleines bisschen mehr und jetzt gibt es einen liebenswerten Frühblüher, der der spätwinterlichen Kälte trotzt und den Startschuss ins Frühjahr gibt: das Schneeglöckchen verkündet mit seinen frostharten, zartweißen Blüten das Ende der kalten Jahreszeit.

Die zartweißen Blüten des Schneeglöckchens verkünden das Ende der kalten Jahreszeit

Das Schneeglöckchen gehört zur Familie der Amaryllisgewächse. Der wissenschaftliche Gattungsname „Galanthus“ stammt aus dem Griechischen: „gala“ für Milch und „anthos“ für Blüte und weist auf die reinweißen Blüten der Pflanze hin.

Verwandt ist der schneeweiße Frühlingsbote mit dem Märzenbecher und der Narzisse, ihnen gemeinsam ist eine echte Zwiebel als Überdauerungs- und Speicherorgan. Darin angelegt sind in sehr komprimierter Form alle später erscheinenden Pflanzteile wie etwa Blätter und Blüte. Zudem werden in den Zwiebelschalen die für die weitere Entwicklung sehr wichtigen Reservestoffe gespeichert. Mit Hilfe dieser eingelagerten pflanzlichen Energie treibt das Schneeglöckchen auch schon bei tieferen Temperaturen aus und kommt so recht früh zur Blüte.

Die Blüten des Schneeglöckchens sind die ersten Pollenlieferanten im Frühjahr und werden u.a. von Insekten oder durch Selbstbestäubung befruchtet. Der Samen fällt dann zur Erde und wird oftmals von Ameisen verbreitet. Nach Ende der Blütezeit lagert die Pflanze die durch Photosynthese gewonnenen Stoffe in die Zwiebel ein und bildet außerdem neue Brutzwiebeln. Deshalb ist es wichtig, dass die Blätter erst abgeschnitten werden, wenn sie braun und abgestorben sind.

Für Insekten sind Schneeglöckchen die ersten Pollenlieferanten des Jahres Bild: shutterstock.com/Christine Kuchem

Heute gelten Schneeglöckchen zwar in unseren Breiten als heimisch, vermutlich trifft man den filigranen Zwiebelblüher aber erst seit dem 16. Jahrhundert bei uns an. Je nach Art, ist ihre Herkunft unterschiedlich. Für den Hausgarten sind vor allem zwei Arten von Bedeutung:

Das heimische Schneeglöckchen
Das kleine Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) stammt hauptsächlich aus Südosteuropa und dem Balkan. Es hat knapp 2 cm lange, glockenförmige, nach unten hängende Blüten, die im Februar bzw. im März erscheinen. Die blaugrünen Blätter sind knapp 20 cm lang und mit ca. 8 mm recht schmal. Das kleine Schneeglöckchen liebt einen halbschattigen Standort mit einem humusreichen, lockeren und nicht zu feuchten, neutralen bis leicht alkalischen Boden.

Das Türkische Schneeglöckchen
Aus Kleinasien stammt das große Schneeglöckchen (Galanthus elwesii). Seine graugrünen Blätter sind mit 3 cm breiter als beim kleinen Schneeglöckchen. Ebenfalls größer sind die Blüten, jedoch sind diese genauso reinweiß wie beim heimischen Schneeglöckchen. Das große Schneeglöckchen, das nach dem englischen Pflanzensammler John Elwes benannt ist,  gedeiht vor allem an Standorten, die im Sommer sonnig und trocken sind, da dann die Zwiebeln gut ausreifen können.

Neben dem kleinen und großblumigen Schneeglöckchen gibt es noch zahlreiche weitere botanische Arten und über 2.000 Sorten. Wo der Leihe einfach nur ein Schneeglöckchen sieht, kann der Liebhaber sich für die unterschiedlichen Blütenformen, die es auch gefüllt oder mit gelben Zeichnungen gibt, begeistern. Hier gibt es also noch einiges zu entdecken.  

 

Wildwachsende Schneeglöckchen stehen unter Naturschutz

Vermehrung und Pflanzzeit

Alle  zwei Schneeglöckchen-Arten lassen sich im Hausgarten zur Verwilderung einsetzen. Ist ein optimaler Standort  gefunden, so breiten sie sich durch Samen aus und bilden dann ganze Kolonien. Wegen dieser Eigenschaft empfiehlt es sich Schneeglöckchen in kleineren Gruppen zu platzieren. Dabei ist darauf zu achten, die Zwiebeln ca. 6-10 cm tief in einen neutralen bis leicht alkalischen Boden zu setzen.

Schneeglöckchen setzt man am Besten im Spätsommer oder Frühherbst aus. Da die Zwiebeln keine feste Schale haben, können sie bei falscher Lagerung sehr schnell austrocknen. Deshalb sollte bereits beim Kauf darauf geachtet werden, dass keine ausgetrockneten Zwiebeln dabei sind und diese unmittelbar nach Erwerb in die Erde gepflanzt werden. Lediglich das große Schneeglöckchen kann etwas trockener gelagert werden.

Oder Sie machen es wie die Galanthus-Profis und teilen die Schneeglöckchen direkt nach der Blüte und verpflanzen diese mitsamt den grünen Blättern an dem neuen Standort.

Wildwachsende Schneeglöckchen stehen übrigens unter Naturschutz. Deshalb ist darauf zu achten, dass ausschließlich Zwiebeln gekauft werden, die in gärtnerischer Kultur vermehrt und nicht aus Naturbeständen entnommen wurden.

 

 

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