Die Wilden unter den Blumenzwiebeln

| Autor: Andrea | Kategorie: Herbst 

Jedes Jahr können Besucher der Insel Mainau im Frühjahr die farbenfrohen Blütenmeere, die sich im Arboretum unter den Gehölzen, in der Metasequoia – Allee und in den Wiesen zeigen, bestaunen. Jahr für Jahr erweitern sich diese Flächen aus Krokussen, Blausternen, Schneeglöckchen & Co., weil sich diese Zwiebelblüher selbstständig in der Erde vermehren. Hier erfahren Sie, wie Sie mit bestimmten Blumenzwiebeln den Frühling in naturnahe Bereiche des Gartens bringen und dort farbliche Akzente setzen können.

Cremeweißer Kranz mit zartgelber Krone - die großkronige Narzisse 'Ice Follies' ist sehr gut für bunte
Narzissenwiesen geeignet.

Ist bei Blumenzwiebeln von Verwildern die Rede, ist ihre selbstständige Ausbreitung an günstigen Standorten gemeint, ohne dass sie dabei überhandnehmen. Zwiebelpflanzen, botanisch als Geophyten bezeichnet, bilden unterirdische Speicherorgane aus, mit denen sie ungünstige Witterungsphasen geschützt im Boden überstehen. Diese können beispielsweise Kälte im Winter, Trockenheit im Sommer oder Lichtmangel unter einem dichten Blätterdach sein.

Welche Standorte kommen in Frage?

Zur Verwilderung eignen sich möglichst naturnahe Gartenflächen. Das sind beispielsweise Flächen unter laubabwerfenden Gehölzen und Hecken, die im Frühjahr ausreichend Licht und Feuchtigkeit bekommen. Das Falllaub bildet zudem über den Winter eine schützende Mulchschicht. Nach dem Frühling verbringen die Geophyten die lichtarme Zeit geschützt im Boden, der durch die benachbarten Gehölze dann meist trockener ist. Bereiche unter immergrünen Koniferen eignen sich nicht, da diese tendenziell lichtarm und weniger humos sind.

Zusätzlich eignen sich Wiesen, die erst später im Frühjahr gemäht werden. Die verwilderten Frühlingsblüher müssen in der kurzen Zeitspanne, in der sie Blätter haben, Photosynthese betreiben und genügend Reservestoffe in die Speicherorgane einlagern, um nächstes Jahr wieder blühen zu können. Das bedeutet, dass die Blätter nach der Blütezeit solange an der Pflanzen bleiben müssen, bis sie von alleine vergilben.  In der Regel vergehen bis dahin sechs Wochen.

Der grazile Elfen-Krokus (Crocus tommasinianus) verspürt in feuchten Bodenverhältnissen einen großen
Ausbreitungsdrang und ist deshalb bestens zur Verwilderung geeignet.

Welche Blumenzwiebeln eignen sich?

Für eine Verwilderung unter Gehölzen können folgende Arten verwendet werden:

  • Allium ursinum – Bärlauch
  • Anemone blanda – Balkan-Windröschen
  • Anemone nemorosa – Busch-Windröschen
  • Anemone ranunculoides – Gelbes Windröschen
  • Chionodoxa luciliae – Großer Schneeglanz
  • Corydalis cava – Hoher Lerchensporn
  • Crocus tommasinianus – Elfen-Krokus
  • Cyclamen coum – Vorfrühlings-Alpenveilchen
  • Eranthis hyemalis – Winterling
  • Erythronium dens-canis – Hundszahn
  • Galanthus nivalis, G. elewesii, G. worronowii – Schneeglöckchen
  • Hyacinthoides non-scripta und hispanica – Hasenglöckchen
  • Leucojum vernum – Märzenbecher (wachsen nur, wo Boden und Klima ausreichend feucht sind).
  • Puschkinia scilloides var. libanotica - Puschkinie
  • Ranunculus ficaria – Frühlings-Scharbockskraut
  • Scilla bifolia – Zweiblättriger Blaustern
  • Scilla siberica – Sibirischer Blaustern
Mit seinem leuchtenden Gelb sorgt er für den farblichen Frischekick unter Gehölzen: der Winterling
(Eranthis hyemalis).

Für eine Verwilderung in einer Wiese eignen sich folgende Arten:

  • Crocus chrysanthus – Kleiner Krokus
  • Crocus flavus – Gold-Krokus
  • Crocus tommasinianus ‘Ruby Giant‘ – Dalmatiner Krokus
  • Crocus vernus – Frühlings-Krokus
  • Fritillaria meleagris – Schachbrettblume (nur für feuchte Wiesen)
  • Ornithogalum umbellatum – Stern von Bethlehem
  • Trompeten - Narzissen z.B. ‘Dutch Master‘ und ‘Golden Harvest‘
  • Dichter - Narzissen wie z.B. ‘Actaea‘
  • Zwerg - Narzissen wie z.B. ‘Tete-à-Tete‘ und ‘February Gold‘
Die glockenförmigen Blüten des Märzenbechers (Leucojum vernum) blühen oftmals schon im Februar.

Pflanzzeit und Pflanzung

Die Pflanzzeit der Frühjahrsblüher liegt im Herbst von September bis Ende Oktober bzw. solange kein Bodenfrost auftritt. Vor dem Winter bilden die Zwiebeln Wurzeln aus, im (zeitigen) Frühjahr folgt der Austrieb. Für die Pflanztiefe gibt es eine Faustregel zu beachten: Zwiebeln und Knollen sollten etwa zwei bis dreimal so tief gesetzt werden, wie sie hoch sind. Für einen möglichst natürlichen Effekt kann man die Zwiebeln mit etwas Entfernung und aus Kniehöhe auf den zu bepflanzenden Bereich werfen und dann dort in die Erde bringen. Schneeglöckchen besitzen nur eine sehr dünne Schutzhaut und sind nicht sehr lange lagerfähig. Deshalb sollten sie direkt nach der Blüte und mit den noch grünen Blättern geteilt und verpflanzt werden. An günstigen Standorten breiten sich die „kleinen Wilden“ durch Aussaat, Brutzwiebeln, Knollen oder über Rhizome aus.

Die goldgelben Trompetennarzissen verkörpern das Sinnbild der klassischen Osterglocke.

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