Fragen zu Kübelpflanzen – Die Feige

| Autor: Andrea | Kategorie: Sommer 

Was sind eigentlich Kübelpflanzen? Wir Gärtner definieren Kübelpflanzen als mehrjährige, in unseren Breiten nicht winterharte, exotische Pflanzen, die im Sommer Balkone und Terrassen verschönern und im Winter in ein frostfreies Winterquartier ziehen müssen. Sie müssen deshalb in einem Kübel kultiviert werden. Über das Grüne Telefon der Insel Mainau erreichen uns immer zahlreiche Fragen zu Kübelpflanzen. Wir stellen in dieser Serie die häufigsten Fragen mit den dazu passenden Antworten vor. Diesmal geht es um die Feige.

Ich habe mir einen Feigensteckling aus dem Urlaub mitgebracht. Es hat sich eine schöne Pflanze entwickelt, jedoch bildet sie nie richtige Früchte aus. Warum?

Die Befruchtung bei der Echten Feige (Ficus carica var. domestica) ist ein sehr interessanter und komplexer Vorgang. Man unterscheidet Essfeigen mit weiblichen, fruchtbaren Blüten und die Bocksfeige (Ficus carica var. caprificus) mit hauptsächlich männlichen Blüten. Bei der Blüte handelt es sich um einen birnen - bis flaschenförmigen, 3-5 cm großen Blütenstand, der wie eine grüne Miniaturfeige aussieht.

Im Inneren befinden sich die tatsächlichen Blüten. Bei der Befruchtung ist ein 2-3 mm großes Insekt, die sog. Feigengallwespe beteiligt. Sie entwickelt sich in der Bocksfeige und verlässt diese mit dem männlichen Pollen und sucht nach einer Kinderstube für ihren Nachwuchs. Sie fliegt zu einem Feigen- Blütenstand, um ihre Eier im Inneren abzulegen. Findet Sie eine Bocksfeige, so legt sie Ihre Eier ab und es entwickelt sich in ihr die nächste Gallwespen-Generation. Trifft sie auf eine Essfeige, bringt sie den männlichen Pollen der Bocksfeige zu den weiblichen Blüten der Essfeigen und es entwickelt sich die essbare Frucht mit den Samen. Nachkommen können sich hier nicht entwickeln.

Um  in Feigenkulturen die Bestäubung sicherzustellen, werden in mediterranen Ländern teilweise blühende Bocksfeigenzweige in die Essfeigenbäume gehängt („Caprifikation“). Da es die Feigengallwespe nördlich der Alpen nicht gibt, können in unseren Breiten nur sog. parthenokarpe (selbstfruchtende) Feigensorten kultiviert werden. Die Feige aus dem Urlaub kann man deshalb nur als schönes Souvenir pflegen. Falls Sie Früchte ernten wollen, sollten Sie Sorten wählen, die Früchte auch ohne Befruchtung ausbilden können und möglichst frosthart sind, wie z.B. die sog. Bayernfeige 'Violetta'. 

Feigenbaum im Arboretum der Insel Mainau

Vor zwei Jahren habe ich einen Feigenbaum in meinen Garten gepflanzt. Im ersten Jahr waren wenige Früchte dran. Im darauf folgenden Winter sind die Triebe trotz gutem Einpacken erfroren. Im Frühjahr hat die Feige wieder ausgetrieben und ist stark gewachsen. Dieses Jahr gab es gar keine Früchte. Warum?

Früchte an Feigenbäumen werden (je nach Sorte) zweimal im Jahr angelegt: Sogenannte Blütenfrüchte, die von Juni bis August reifen, werden an vorjährigen Trieben angesetzt, sofern diese nicht erfroren sind. Herbstfrüchte werden an den diesjährigen Trieben angesetzt, reifen in unseren Breiten jedoch selten vor den ersten Frösten aus. Früchte können leider auch nicht vorzeitig geerntet werden, da sie im Lager nicht nachreifen. Sind alle Triebe erfroren, geht die Pflanze erst einmal in das vegetative Wachstum und bildet deshalb keine Früchte aus. Will man bei einem Feigenbaum in unseren Breiten sicher Früchte ernten, so sollte er besser als Kübelpflanze kultiviert und kühl und frostfrei bei 2-5 °C überwintert werden. Gedüngt wird im März und Juni mit einem Obst-Langzeitdünger nach Anleitung.

Empfehlenswerte Sorten sind z.B. ‘Violetta‘ oder ‘Brown Turkey‘. Will man trotzdem eine Feige in den Garten pflanzen, sollte dies im Frühjahr passieren, damit die Pflanze den Sommer über gut einwurzeln kann. Die Feige sollte mindestens fünf Jahre alt sein, bevor sie ausgepflanzt wird. Ein geschützter Standort , z.B. vor einer sonnigen Hauswand ist ideal. Im Winter werden die Triebe durch ein Wintervlies und der Wurzelbereich durch eine Mulchschicht geschützt.

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