Gärtnern ohne Torf

| Autor: Lisa | Kategorie: Sommer 

Zehn Jahre dauert es bis sich im Moor eine 1 cm dicke Torfschicht bildet. Mit dieser unglaublichen Langsamkeit haben sich über die Jahrtausende diese einzigartigen und komplexen Feuchtgebiete entwickelt. Als Lebensraum für unzählige Pflanzen und Tiere und als CO2-Speicher sind die Moore bedeutende Ökosysteme, da diese rund 30% des erdgebundenen Kohlenstoffs lagern. Die Zerstörung durch den Torfabbau haben weitreichende Konsequenzen für die Artenvielfalt und den Klimawandel, denn eine Regeneration der Moore ist bei der Langsamkeit der Entstehung so gut wie ausgeschlossen. Der Erhalt der Moore ist daher die einzig mögliche Perspektive. Daher entscheiden sich zunehmend sowohl Profi- als auch Hobbygärtner für Erden und Substrate ohne Torf.    

Moore sind in Mitteleuropa eine Seltenheit geworden. Im Murnauer Moos befindet sich das größte zusammenhängende naturnah erhaltene Moorgebiet Mitteleuropas

Artenvielfalt und Klimaschutz – Ein hoher Preis
Torf ist aufgrund seiner Eigenschaften seit langer Zeit der bevorzugte Rohstoff für Erden und Substrate. Während Rhododendren, Azaleen und andere Moorbeetpflanzen das nährstoffarme und stark saure Substrat in seiner natürlichen Form schätzen, kann es den Bedürfnissen anderer Pflanzenarten leicht angepasst werden. Mit Kalk lässt sich der pH-Wert einstellen und die benötigten Nährstoffe können entsprechend aufgedüngt werden. Aber nicht nur diese Anpassungsfähigkeit macht Torf bei den Gärtnern so beliebt. Auch die hohe Wasserspeicherkapazität, das hohe Luftvolumen und seine Strukturstabilität sind Eigenschaften, die kein anderer Rohstoff in dieser Form miteinander vereint. Wer also aus Umweltschutzgründen auf Torf verzichtet, benötigt dafür nicht nur einen Ersatzstoff, sondern gleich mehrere.

Der Torfabbau zerstört das wertvolle Ökosystem Moor und damit den Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Tiere

Alternativen für den umweltbewussten Gärtner
Immer mehr Erdenwerke bringen torffreie Erden und Substrate auf den Markt. Achten Sie beim Kauf auf gütegesicherte Produkte, denn schließlich soll die Qualität stimmen. Grundlage der torffreien Erde bildet meist Kompost. Dieser wird in der Regel aus Gehölz- und Staudenrückschnitt, Rasenschnitt und Laub gewonnen. Kompost liefert viele Nährstoffe, besitzt aber nur kleine Luftporen. Da Luft im Boden für die Pflanze genauso entscheidend ist wie Wasser, werden den Erden Holzfasern zugesetzt. Diese sorgen für die luftige Struktur und machen die Erde leichter. Dritter Bestandteil ist meist Rindenhumus. Dieser macht die Erde feinkrümelig, liefert Spurennährstoffe und Kalium und besitzt gute Puffereigenschaften. Sande, Kokosfasern oder Reisspelzen sind oft weitere Bestandteile von torffreien Erden und Substraten. In der entsprechenden Zusammensetzung ergeben diese Stoffe eine hochqualifizierte Erde. Am Anfang ist zwar etwas Fingerspitzengefühl notwendig, bis man sich an die neuen Erdmischungen und ihre Eigenschaften gewöhnt hat, danach lässt es sich aber mit ruhigem Gewissen erfolgreich gärtnern.

Wer im Garten einen eigenen Kompost hat, kann seine Erden auch selbst herstellen. Dafür wird reifer Kompost (9-12 Monate alt) zu gleichen Teilen mit Quarzsand und Gartenboden gemischt. Und wer auf säureliebende Pflanzen im Garten nicht verzichten kann, der kann den pH-Wert des Bodens durch Nadelstreu, Rindenhumus oder Kaffeesatz auch ohne Torf im sauren Bereich halten.

Rhododendren lieben sauren Boden. Damit dieser auch ohne Torf sauer bleibt, geben Sie ihm regelmäßig Gaben von Nadelstreu, Rindenhumus oder Kaffeesatz

Bio oder Torffrei – Der feine Unterschied
Zu den klassischen torfhaltigen Erden und den torffreien Erden gesellen sich im Handel zunehmend Substrate, die als sogenannte Bio-Erden verkauft werden. Diese Bezeichnung hat allerdings nichts mit dem Torfgehalt zu tun, sondern weist lediglich darauf hin, dass das Substrat mit organischem Dünger aufgedüngt wurde. Wie viel Torf also tatsächlich in dieser Erde steckt, verrät Ihnen erst ein Blick auf die Rückseite der Verpackung. Hier ist nicht nur der Torfgehalt angegeben, sondern auch alle weiteren Inhaltsstoffe der Erdmischung. Auch bei torfarmen oder torfreduzierten Erden lohnt es sich die Liste der Inhaltsstoffe zu kontrollieren, da beide Begriffe sehr dehnbar sind und sich immer noch bis zu 60% Torf in den Erden befinden können. Nur wo torffrei auf der Verpackung steht, ist auch tatsächlich kein Torf drin und garantiert somit den Schutz der gefährdeten Moore.

Der Verzicht auf Torf ist im Übrigen auch eines der Kernkriterien der Aktion Natur im Garten, die sich in vielen Ländern Europas der ökologischen Bewirtschaftung von Privatgärten widmet.

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