Natur im Garten

| Autor: Lisa | Kategorie: Frühling  Sommer  Herbst  Winter 

Wie können wir unsere Gärten naturnah gestalten und pflegen? Diese Frage stellte man sich vor über 15 Jahren in Niederösterreich. Die Antwort heißt „Natur im Garten“. Die Aktion hat mittlerweile über 14.000 Gartenbesitzer überzeugt und das nicht mehr nur alleine in Österreich, sondern auch in vielen anderen Ländern Europas. Auch die Insel Mainau unterstützt die Aktion. Der Initiator von „Natur im Garten“ und derzeitiger Innenminister von Österreich, Wolfgang Sobotka, erhielt 2016 auf der Insel Mainau den „Sonja-Bernadotte-Preis für Wege zur Naturerziehung“.

Die Initiative 'Natur im Garten' legt großen Wert auf biologische Vielfalt und eine Gartengestaltung mit heimischen und ökologisch wertvollen Pflanzen

Vielfalt verbindet
Jeder Garten ist unterschiedlich und das ist auch gut so. Die einen suchen ein ruhiges Fleckchen zum Entspannen, die anderen einen Platz zum Spielen und Toben und der nächste kocht am liebsten mit  Gemüse und Kräutern aus dem eigenen Garten.  Dass es bei diesen unterschiedlichen Wünschen und Ansprüchen dennoch so viele Gärten gibt, die alle die „Natur im Garten“-Plakette tragen, beruht auf einem wohl durchdachten Konzept. Keine Kompromisse auf der einen Seite und möglichst hohe Vielfalt auf der anderen Seite sind der Schlüssel zum Erfolg.

Ungefüllte und halbgefüllte Blüten sollten Sie in Ihrem "Natur im Garten"-Garten den Vorzug geben, da diese mit Nektar und Pollen Nahrung für Bienen und andere Insekten bieten

Keine Kompromisse!
Keine Kompromisse werden bei den drei Kernkriterien von „Natur im Garten“ gemacht. Dies sind der Verzicht auf Pestizide, der Verzicht auf leicht lösliche Dünger und der Verzicht auf Torf.
Pestizide sind bei falscher Anwendung nicht nur für den Menschen gefährlich. Viel schlimmer trifft es die Nützlinge, die natürlichen Gegenspieler der Schädlinge. Denn Pflanzenschutzmittel können nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Insekten unterscheiden. Wer aber die Nützlinge in seinem Garten fördert, der hat in den meisten Fällen gar kein so großes Problem mit den Schädlingen und kann deshalb getrost auf Pflanzenschutzmittel verzichten.
Auch leicht lösliche Dünger sind für einen nachhaltig bewirtschafteten Garten keine Lösung. Sie sind in etwa mit einer Vitamintablette zu vergleichen. Sie liefert zwar in hoch konzentrierter Form ein wichtiges Vitamin, die vielen anderen lebensnotwendigen Stoffe, die in  frischem Obst und Gemüse stecken, jedoch nicht. Mit organischen Düngern versorgen wir die Pflanzen nicht nur mit den benötigten Nährstoffen, sondern fördern auch das Bodenleben. Und ein gesundes Bodenleben unterstützt die Pflanzen in ihrem Wachstum.

Der Verzicht auf Torf schützt unsere Moore. Denn Torf wird für viele Erden und Substrate gebraucht und in Deutschland aber vor allem im Baltikum und Osteuropa abgebaut. Durch den Abbau wird das Ökosystem Moor zerstört und viele seltene Tier- und Pflanzenarten verlieren ihren Lebensraum. Zudem ist im Moor sehr viel CO2 gespeichert, welches durch den Abbau freigesetzt wird. Der Verzicht auf Torf ist also nicht nur Natur- sondern auch Klimaschutz. Gut, dass im Handel mittlerweile viele torffreie Erden und Substrate angeboten werden.

Auch im Herbst finden Insekten bei den Astern noch Nahrung

Die Vielfalt ist Trumpf!
Wesentlich vielfältiger sind die „Natur im Garten“-Kriterien, wenn es um die verschiedenen Naturgartenelemente und die weitere Bewirtschaftung des Gartens geht. Hier muss der Gartenbesitzer aus einer Liste eine Mindestanzahl an Kriterien erfüllen, möchte er mit der „Natur im Garten“-Plakette ausgezeichnet werden. „Natur im Garten“ steht also nicht im Widerspruch zu den Wünschen, Ansprüchen und Gestaltungsideen des eigenen Gartens. Die Vielfalt ist Trumpf!

Bei den Naturgartenelementen spielen besonders die heimischen Pflanzen eine bedeutende Rolle.  Laubbäume, Wildstrauchhecken und eine artenreiche Wiese, statt dem Englischen Rasen, sind für Insekten besonders wertvoll. Gerade ungefüllte Blüten bieten Nützlingen durch Nektar und Pollen Nahrung. Auf gefüllte Blüten sollte man in einem „Natur im Garten“-Garten lieber verzichten, denn diese lassen trotz ihrer Schönheit die Bestäuber hungern. Auch Obst, Gemüse, Beeren und Kräuter gehören in den Garten, denn frischer können Lebensmittel gar nicht sein. 

Was dem Garten über Strauchschnitt, Mähgut oder die Ernte entnommen wird, wird dem Garten in Form von wertvollem organischem Dünger zurückgegeben. Der Komposthaufen schließt den Nährstoffkreislauf und hilft, einen gesunden und lebendigen Boden aufzubauen. Eine Mulchdecke auf den Beeten verhindert das Aufkommen ungeliebter Unkräuter und sorgt für ein ausgewogenes Feuchteverhältnis. Wer dann doch einmal gießen muss, verwendet dafür gesammeltes Regenwasser.

Nisthilfen für Vögel und Insekten oder sogenannte „Wilde Ecken“, Gartenbereiche, die nur sehr selten vom Menschen betreten und gepflegt werden, lassen den Tieren ausreichend Freiraum sich im Garten wohlzufühlen. In den Mauerritzen von Trockensteinmauern oder am Teich finden selten gewordene Tiere und Pflanzen einen wichtigen Lebensraum.

Die „Natur im Garten“-Plakette will ich auch!
Wer bereits nach den Kernkriterien von „Natur im Garten“ handelt, kann sich auch in Deutschland mit der „Natur im Garten“-Plakette auszeichnen lassen. Im Bodenseegebiet vergibt der Verein Bodenseegärten die Plaketten. Wer mehr über die Aktion „Natur im Garten“ erfahren möchte oder noch nach Tipps zum naturnahen gärtnern sucht, wird unter www.naturimgarten.at fündig.

Kommentare