Stauden für den Präriegarten

| Autor: Julia | Kategorie: Sommer 

Der Begriff Prärie geht auf das französische Wort „la prairie“ für „Wiese“ zurück. Als Prärien wurden die weiten, baumlosen Ebenen des Mittleren Westens der USA bezeichnet. Hier wuchsen wogende Gräser- und Blütenmeere, durch die die Büffel streiften.

Feuer vernichtete regelmäßig den Aufwuchs dieser Wiesen. Dabei überlebten die unterirdischen Rhizome der dort heimischen Stauden und profitierten sogar von der nährstoffreichen Asche. Wo europäische Siedler die Brände unterdrückten, wuchsen auf den fruchtbaren Böden rasch Bäume und Sträucher. Heute sind von den einst riesigen Prärieflächen nur streng geschützte Reste übrig. Den sogenannten „Präriegärten“ dient diese fast verschwundene Landschaft als Grundlage für die Gestaltung. Viele im Hochsommer und Herbst blühende Stauden aus der Prärieregion sind schon lange bei uns in den Gärten angekommen. Neu ist es, mit ihnen größere und wiesenartige Flächen zu pflanzen, in der Wirkung ähnlich dem natürlichen Vorbild.

Berg-Aster Aster amellus ‘Veilchenkönigin‘ in leuchtendem Violett

Kombinationsstarke Präriestauden
Bekannte Präriestauden sind zahlreiche Herbstastern und all die beliebten Sonnenblumen, Sonnenhüte und Mädchenaugen. Sie lassen sich wunderbar kombinieren mit den orangen und rotbraunen Sonnenbräuten (Helenium). Sehr beliebt ist auch der rosarote Rote Sonnenhut (Echinacea purpurea), seine bewährteste Sorte ist ‘Magnus‘. Leider halten die zahlreichen neuen und prächtigen orangeroten Sonnenhut-Sorten in den Gärten oft nicht lange aus. Die Sorte ‘Tomato Soup‘ ist noch die Dauerhafteste davon.

Echinacea purpurea harmoniert mit Blütenständen von Allium

Etwas weniger bekannt ist das langlebige Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum). Seine verzweigten Blüten sind ein schöner Kontrast zu den flachen Blüten vieler Präriearten. Die violette ‘Fascination‘, die weiße ‘Diana‘ oder der zartlila ‘Lavendelturm‘ setzen hohe Akzente im Beet. Noch stattlicher ist der übermannshohe Wasserdost Eupatorium fistulosum ‘Atropurpureum‘ mit seinen großen, rosaroten Dolden. Goldruten (Solidago) haben wegen der Ausbreitung zweier Wildarten (Solidago canadensis und S. gigantea) bei uns einen schlechten Ruf als invasive Pflanze. Dabei gibt es eine Reihe zahmer Arten und Sorten, die völlig unproblematisch sind und weder Ausläufer noch Sämlinge erzeugen. Die Sorte ‘Fireworks‘ ist knallig gelb und bogig verzweigt, ‘Loysder Crown‘ zeigt dagegen ein weiches Zitronengelb.

Goldrute ‘Fireworks‘

Gräser für den richtigen Effekt
Für den wiesenhaften „Prärieeffekt“ gehören unbedingt genügend Gräser in die Pflanzung. Eine echte Prärieart ist die Rutenhirse Panicum virgatum, schöne Sorten sind z.B. ‘Rotstrahlbusch‘ und ‘Heiliger Hain‘. Für trockene Böden und eher niedrige Pflanzungen eignet sich das schleierartige Tropfengras, Sporobolus heterolepis vorzüglich. Aber auch Chinaschilf (Miscanthus sinensis) lässt sich sehr gut integrieren. Von ihm gibt es auch Sorten mit zierlichen Blättern wie ‘Graziella‘ mit cremeweißen Wedeln. Am stimmungsvollsten wirken solche gräserdurchwirkten Flächen, wenn sie im Gegenlicht zu betrachten sind, und die Samenstände der Gräser im Morgen- und Abendlicht aufleuchten.

Pflanzung mit Gräsern und Rudbeckien im Mainauer Staudengarten

Mix mit passenden Frühjahrsblühern
Da der Blütenschwerpunkt der Präriestauden im Hochsommer und Herbst liegt, sollten sie ergänzt werden mit früher blühenden Arten anderer Regionen. Für die Frühjahrsmonate eignen sich besonders die dauerhaften Narzissen in vielen Sorten. Im Mai harmonieren die blauen Prärielilien (Camassia) besonders gut mit weißen Dichter-Narzissen und Zierlauch (Allium) wie  ‘Purple Sensation‘ oder  ‘Globemaster‘. Schön wirkt dazu rotlaubiger Staudenaustrieb z.B. von dem Bartfaden Penstemon digitalis ‘Husker’s Red‘.  Für den Frühsommer im Juni eignen sich besonders die Sibirischen Schwertlilien, Iris sibirica in robusten Sorten wie ‘Caesar’s Brother‘ oder ‘Elfe‘ und die Steppen-Iris, Iris spuria ‘Frigia‘ und ‘Premier‘.

 

Prädestiniert für den Präriegarten: die blaue Prärielilie

Blickfänge bis in den Winter
Eine wertvolle Eigenschaft vieler Präriestauden ist die lange Haltbarkeit ihrer Stängel und Samenstände. Das verringert auch die Pflege, wenn man nicht ständig Verblühtes ausputzen muss. Die schwarzen und braunen Köpfchen der Sonnenhüte, die strohgelben Gräser oder die rotbraunen Goldruten-Stängel wirken noch lange nach der Blütezeit bis in den Winter, bei Raureif werden sie zu kleinen Kunstwerken. Und pflegeleicht ist das Präriegarten-Beet auch noch: Ende Januar/Anfang Februar, bevor die Spitzen der Frühlingszwiebeln zu weit aus dem Boden schauen, muss alles bodeneben abgeschnitten werden, am einfachsten mit der Motorheckenschere. Die trockenen Stängel können als Häckselmulch wieder auf der Fläche ausgestreut werden.

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