Süßer die Glocken...

| Autor: Verena | Kategorie: Frühling 

Würden aus ihren Trompetenblüten liebliche Klänge ertönen, so wären sie der melodische Inbegriff der erwachenden Natur: Narzissen. Schon von weitem signalisiert das kräftige Gelb ihrer Blüten: „Hier sind wir“, dazu wiegen sie sich sanft im Windhauch des Frühlings und strahlen mit der Sonne um die Wette.

Strahlend schön, so wurde auch einst der Jüngling Narzissos beschrieben, der die Liebe der schönen Nymphe Echo verschmähte. Vor lauter Kummer schwand sie dahin und zurück blieb nur ihre Stimme. Für diese Herzlosigkeit bestrafte ihn die Rachegöttin Nemesis: Narzissos verliebte sich unsterblich in sein eigenes Spiegelbild. Als er dieses in einer Quelle entdeckte und ihm nahe sein wollte, ertrank er. Nach seinem Tode wurde er als strahlend schöne und wohlduftende Narzisse wiedergeboren.

Sie strahlen mit der Sonne um die Wette: Osterglocken im Staudengarten der Insel Mainau

Nicht nur den alten Griechen war die Narzisse bekannt, im Christentum wurde sie als Hoffnungssymbol verehrt und in Wales wird sie sogar als Nationalblume gefeiert. Auch wir von der Mainau lieben dieses elegante Amaryllisgewächs, das im Volksmund vor allem als Osterglocke bekannt ist. Im Staudengarten und im Ufergarten leuchten die Narzissen schon aus der Ferne und auch sehr bald  werden sie entlang der Frühlingsallee in ein strahlendes dotter- und vanillegelbes Farbenmeer bilden.

Aber aufgepasst: Jede Osterglocke ist eine Narzisse, aber nicht jede Narzisse eine Osterglocke. Denn nur die Narcissus pseudonarcissus,  auf Deutsch auch Trompetennarzisse genannt, wird klassisch als Osterglocke bezeichnet. Je Stiel wächst eine Blüte mit auffälliger, am Rand leicht gewellter Trompete oder auch Nebenkrone genannt. Was wenige wissen, die Osterglocke ist eine heimische, jedoch seltene Zwiebelblume. Sie steht unter Naturschutz und in manchen Gegenden Deutschlands (u.a. Hunsrück, Eifel) findet man den gelben Frühlingsboten in seiner wilden Form. 

In Wales wird die Osterglocke auch als Nationalblume gefeiert

Die klassische Osterglocke erstrahlt in leuchtendem Gelb. Andere Narzissenarten besitzen ein vielfältigeres Farbenspektrum – von Weiß und Cremefarben, über Gelb bis zu Orange kann man sich heutzutage an unzähligen Sorten erfreuen. Um im kommenden Frühjahr auch im heimischen Garten einen farbigen Blütenreigen zu erleben, haben wir hier ein paar Tipps für Sie zusammengestellt:

  1. Herbstzeit ist Pflanzzeit: Am Besten bei Temperaturen unter 12 Grad die Zwiebeln 10 bis 20 cm tief in den Boden pflanzen. Je früher die Zwiebeln in den Boden kommen, desto länger können sie Wurzeln schlagen und umso prachtvoller blühen die Narzissen im Frühjahr.

  2. Eine Osterglocke ist immer schön: die robuste Trompetennarzisse mag es sonnig, kommt im Zweifelsfall auch mit Schnee zurecht. Als Nachbarn sind Gehölze gerne gesehen.
  1. Das Laub nach der Blüte nicht sofort entfernen. Warten Sie bis es gelb und welk wird. Über die Blätter nimmt die Narzisse nämlich noch die benötigte Energie für die Anlage der neuen Zwiebeln für das kommende Frühjahr auf.
  1. Narzissen vermehren sich von alleine, so dass über die Jahre hinweg großflächige Blütenteppiche entstehen können, sogenannte Horste. Giftige Inhaltsstoffe in den Narzissenzwiebeln halten zudem Nagetiere fern, die besonders im Winter auf Nahrungssuche sind und für die Zwiebeln eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan darstellen. Für den Menschen ist die Narzisse weitestgehend ungefährlich, vorausgesetzt er isst sie nicht.

Und zu guter Letzt:
So ein bisschen selbstverliebt ist die Narzisse auch heute noch, denn sie mag sich nur ungern eine Vase mit anderen Blumen teilen. Sie sondert nämlich einen Schleim ab, der auf viele andere Schnittblumen eine giftige Wirkung hat, die Anschnittstelle der anderen Pflanzen verstopft und dadurch die Wasseraufnahme behindert. Ergebnis: Die anderen Mitvasenblumen verblühen dadurch schneller. Das soll aber nicht heißen, dass man nun keine frühlingshaften Schnittblumen-Arrangements mehr machen kann: Wir zwingen die Osterglocke einfach zu ihrem Glück, in dem wir sie 24 Stunden lang in eine andere Vase stellen, in der sie ausschleimen kann. Danach ist sie schon gleich harmloser und akzeptiert auch andere Vasengenossinnen ;-)

Die Osterglocke liebt einen sonnigen Standort

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